Hundert Hektar, aber kein Platz für Bauernhofromantik. Als die Frauengruppe der Emsdettener SPD den Heitmann‘schen Hof nahe der Reckenfelder Straße besichtigte, wurde das sofort klar, in den geräumigen und luftigen Ställen ebenso wie angesichts des beeindruckenden Maschinenparks.
„Seit über zehn Jahren haben wir die Milchwirtschaft abgeschafft“, erklärte Heinrich Heitmann beim ausgiebigen Rundgang in Begleitung der lebhaften Hündin Lotta. „Es war auch eine Frage des Arbeitsaufwandes.“ Heute widmet sich der Hof Fleischrassen, vor allem den sattbraunen Limousin-Rindern, die im Sommer jedem auffallen, der die Reckenfelder Straße entlangkommt. Daneben wachsen aber auch die weißen Charolais-Rinder heran. Nach Bedarf werden weitere Kälber hinzugekauft.

Regelmäßig leben achtzig Muttertiere auf dem Hof, etwa 200 Rinder wandern jährlich zum Schlachter. „Es gibt erfreulicherweise wieder mehr Händler, selbst im Supermarkt-Bereich, die bei der Kundschaft erfolgreich mit der regionalen Herkunft ihres Fleischangebots punkten können.“ Zu den auch in Emsdetten präsenten Abnehmern gehört die Nordwalder Fleischerei Hidding.
In Bezug auf die jüngst wieder aufgeflammte Diskussion über die hohen Nitratwerte im Grundwasser erinnerte Heitmann daran, daß diese Werte auf die Leichtfertigkeit einer früheren Generation zurückzuführen sind. So lange dauert es, bis das Nitrat die verschiedenen Bodenschichten durchsickert hat. In der praktischen Landwirtschaft hat das Umdenken längst stattgefunden. „Nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen. Kein Bauer kann sich leisten, so zu überdüngen, wie man es manchmal bei Privatgärten erlebt. Die vorsichtige moderne Praxis kann jeder an den Werten ablesen, die heute im Mühlenbach oder in der Ems gemessen werden.“ Der Mist, der auf dem Hof entsteht, geht an Biogas-Anlagen.

Für die Kühe selbst haben die Fleischrassen noch einen besonderen Vorteil: bei ihnen sind die Bullen vergleichsweise sozialverträglich. Dadurch können sie in der Herde gehalten werden und den Kühen ein natürliches Sexualleben ermöglichen. „In den allermeisten Fällen funktioniert das auch, da mischen wir uns nicht ein“, erklärte Heitmann augenzwinkernd. Soweit möglich, genießen die Tiere im Sommer auch die natürliche Weide unter den Hufen. Für die Zeit im Stall ist viel modernes Design in die gut durchlüfteten Räume eingearbeitet: Da fallen nicht nur die leicht abgeschrägten Böden auf, bei denen sich der unvermeidliche Unrat an einer Seite sammelt, während an der andern Seite trockenes und sauberes Stroh vorhanden ist, und damit eine angenehmere Aufenthaltsqualität. Auch gibt es eine automatisierte Einschüttung, die unter einem Laufband hängend die verschiedenen Boxen versorgt.

Doch bei allem, was Menschen durch ihren persönlichen Einsatz und den Einsatz der Technik für die Tiere tun können, bleibt die Landwirtschaft immer von der Natur abhängig. Trotz der jüngsten Regenfälle ist dieses Jahr schon seit dem Frühjahr viel zu trocken, eine schlechte Ernte bei den Futterpflanzen läßt sich absehen. Moderne Landwirte wissen, daß Klimaschutz in ihrem wirtschaftlichen Interesse ist.

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