Darum geht‘s im Brückenstreit

Die alte Brücke über den Mühlenbach zwischen Lönsstraße und Föhrendamm ist nicht mehr verkehrssicher. Soviel ist klar. Die Brücke steht auf Privatgrund, auch das war immer bekannt. Vor vielen Jahrzehnten vor allem für landwirtschaftliche Zwecke gebaut, nutzten sie anfangs auch viele Autos, selbst Busse und LKWs. Im Laufe der Jahre wurde die Brücke von dieser Last und die Anwohner vom Kraftverkehr befreit. Poller stellten sicher, daß nur noch Fußgänger und Radfahrer die Brücke nutzten. Gerade deshalb entwickelte sie sich zur wichtigen Ost-West-Achse im Emsdettener Süden. Eltern haben ein gutes Gefühl, wenn ihre Kinder hier autofern zur Schule unterwegs sind.

Trotzdem wird das Land rechts und links des Mühlenbaches weiter landwirtschaftlich genutzt, müssen gelegentlich eben auch die entsprechenden Nutzfahrzeuge hier den Bach queren. Die ursprüngliche Idee der Stadtverwaltung, als Ersatz für die marode Altbrücke hier eine Holzbrücke zu bauen, wie es sie an anderen Stellen des Baches gibt, war daher nicht praktikabel. So handelte die Verwaltung mit dem Grundbesitzer ein Modell für eine Betonbrücke aus, mit einem Preisschild von (geschätzt) 200.000 € und einer Garantie für 35 Jahre der öffentlichen Nutzung.
Dies trug die Verwaltung den politischen Fachausschüssen vor. Die schluckten erst einmal wegen des Preises angesichts der zeitlichen Begrenzung und fragte die Verwaltung, ob sie auch Alternativen geprüft habe. Da diese das verneinen mußte, wurde sie gebeten das nachzuholen.

Vorfahrt für Fahrrad und Fußgänger

Das Ergebnis liegt nun vor. Der Nachbar lehnt eine Bachquerung auf seinem Grund ab. Der Umweg über die Blumenstraße und „Im Holtkamp“ ist für Fahrradfahrer und Fußgänger schlicht zu weit. Die Verwaltung rechnet mit 600 m zusätzlichem Weg, aber nicht für die ganze Strecke bis zur Lönsstraße, sondern nur bis zum Freibad. Es wäre zu befürchten, daß für viele innerstädtische Strecken dann eher das Auto als das Fahrrad genutzt würde. Da wir von der SPD im Interesse der Verkehrssicherheit wie des Umweltschutzes den Fuß- und Fahrradverkehr gerade auch im innerstädtischen Bereich fördern wollen, führt an der zur Abstimmung stehenden Betonbrücke kein Weg vorbei.
Ja, 200.000 € sind viel Geld. Straßenbau ist teuer, besonders, wenn dabei ein Wasserlauf zu überqueren ist. Das erleben wir auch in vielen anderen Situationen. Sollten wir nun deswegen davor zurückschrecken, weil diesmal Autofahrer keinen unmittelbaren Nutzen aus dem Bau ziehen?
Und dann steht da das Jahr 2053 im Raum. Das ist das Jahr, in dem die jetzige Regelung auslaufen würde. Bis dahin werden viele der heutigen Entscheidungsträger abgetreten sein, und keiner weiß, welche Form das Verkehrswesen und die Landwirtschaft bis dahin haben werden, wie sich bis dahin die Siedlungsstruktur Emsdettens und die Mobilitätsbedürfnisse ihrer Bewohner weiterentwickelt haben werden. Ganz gleich, welche Absichten ursprünglich dahinter lagen — vielleicht ist es eine gute Idee, eine neue Generation die Zukunft der Brücke neu aushandeln zu lassen.